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Herculaneum: Vergessene Stadt der Antike

aktualisiert am 8.5.2022

Im Rahmen unseres Aufenthalts in Neapel besuchten wir nicht das berühmte Pompeji, sondern Herculaneum. Wir fuhren mit der Bahn vom Hauptbahnhof nach Ercolano - das ist der neue Name für Herculaneum. Dann war noch ein Stück zu laufen. Der Besucherstrom hielt sich in Grenzen.

Karte vom Ausbruch des Vesuv im Jahre 79 MapMaster, Mt Vesuvius 79 AD eruption-la, CC BY-SA 3.0 extern🡽

Herculaneum ging ebenso wie Pompeji beim Ausbruch des etwa 1280 m hohen Vesuv im Jahre 79 unter. Da der Vulkan seit ca. 500 Jahren ruhte, kam der Ausbruch völlig überraschend. Die Eruption soll in der Mittagszeit um 13 Uhr begonnen und den Gipfel weggesprengt haben. Da der Wind hauptsächlich in südöstlicher Richtung wehte, wurden zunächst Pompeji, Stabiae und Oplontis vom Ascheregen heimgesucht. Herculaneum lag auf der anderen Seite des Vulkans in der Nähe von Neapel und war in der ersten Phase des Ausbruchs nur wenig von der Katastrophe betroffen. Den meisten Bewohnern blieb daher noch genug Zeit zur Flucht. Erst nach Mitternacht erreichte eine Art Gaswolke Herculaneum und tötete die zurückgebliebenen Menschen.

Herculaneum Herculaneum mit Ercolano und Vesuv im Hintergrund © 2018 KopfsplitterFoto

Auf der rechten Seite des Fotos ist die mächtige Erdschicht zu sehen, die sich über dem verschütteten Herculaneum aufgetürmt hat. Die vulkanische Schicht erreichte eine Stärke bis zu 20 m und beim Abkühlen härtete dieses Material zu dichtem Tuffstein aus. Es ist daher kein Wunder, dass die antike Stadt mit der Zeit in Vergessenheit geriet. Erst im 18. Jahrhundert begannen systematische Grabungen. Auch heute noch sind einzelne Bereiche verschüttet bzw. überbaut.

Herculaneum mit Vesuv im Hintergrund Herculaneum mit Ercolano und Vesuv im Hintergrund © 2018 KopfsplitterFoto

Die Stadt Ercolano steht an der Stelle der antiken und ehemals vom Vesuv zerstörten römischen Kommune Herculaneum. Bis 1969 hieß der Ort Resina. Gegründet wurde Herculaneum einst von den Griechen als Herakleion.

Herculaneum: Laden mit Holzgitter Laden mit Holzgitter © 2018 KopfsplitterFoto

Eine positive Überraschung für die Archäologen ist die Tatsache, dass in Herculaneum Materialen aus Holz wie Möbel, Gitter, Leitern, Türen und Fenster manchmal nur verkohlten, aber nicht zu Asche verbrannten.

Herculaneum: Vulcanus-Relief Herculaneum: Merkur-Relief Reliefkopien der Götter Vulcanus und Hermes in Herculaneum © 2018 KopfsplitterFoto

Vulcanus war in der römischen Religion der Gott des Feuers, zudem der Schmiede sowie aller Metallhandwerker, die auf das Feuer angewiesen sind. Sein Erkennungszeichen ist ein Hammer. Mercurius war der römische Gott des Handels, des Gewerbes, des Reichtums und des Gewinns. Zu den Attributen Merkurs gehören der Hermesstab, ein geflügelter Helm und Flügelschuhe.

Herculaneum: Haus des Neptun und der Amphitrite_Mosaik Mosaik im Haus des Neptun und der Amphitrite © 2018 KopfsplitterFoto

Dieses Mosaik schmückt die Ostwand eines Wohnraums und zeigt Neptun und Amphitrite. Die meisten der in Herculaneum ausgegrabenen antiken Kunstwerke wie Fresken und Skulpturen befinden sich heute nicht mehr vor Ort, sondern im Archäologischen Nationalmuseum in Neapel. Dazu gehört auch eine einzigartige Bibliothek verkohlter Papyrusrollen.

Taverne in Herculaneum Taverne in Herculaneum © 2018 KopfsplitterFoto

Die Taverne mit dem marmorverkleideten Tresen war ein Imbiss. In den Öffnungen sind große Tonkrüge eingelassen, in denen Speisen und Getränke angeboten wurden. An der Wand waren Serviergefäße untergebracht.

Herculaneum mit Vesuv im Hintergrund Herculaneum mit den Bootshäusern im Vordergrund © 2018 KopfsplitterFoto

Da bei den Ausgrabungen zunächst nur wenige Opfer gefunden wurden, vermuteten die Wissenschaftler, dass fast allen Einwohnern rechtzeitig die Flucht gelungen war. Erst in den 1980er Jahren stießen die Ausgräber in den Bootshäusern am Hafen überraschend auf ca. 250 Skelette.

Herculaneum mit Vesuv im Hintergrund Bootshaus mit Skeletten © 2018 KopfsplitterFoto

Vielleicht hatten die Menschen in den relativ robusten Bootshäusern Schutz gesucht. Bei der Untersuchung der Skelette wurden allerdings überdurchschnittlich viele Fehlbildungen festgestellt, die auch Alter, Behinderung oder Krankheit als Grund für das Zurückbleiben in der Stadt möglich erscheinen lassen.

Gefährlicher als der Vesuv ist das Gebiet der Phlegräischen Felder (ital. Campi Flegrei) westlich von Neapel, auf dem es mehrere Dutzend Eruptionsherde gibt, darunter den Krater Solfatara. In der Region könnte ein Supervulkan ausbrechen, der sogar für Neapel selbst extrem gefährlich wäre. In den letzten Jahren wurden Anzeichen von vermehrter vulkanischer Tätigkeit beobachtet.

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Eine detailreiche Website (englisch) der Ausgrabungsstätte von Herculaneum mit vielen Fotos und virtuellen Rundgängen bietet:
Herculaneum-Panorama extern🡽

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