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Mehr Staat bedeutet weniger Demokratie
zuletzt bearbeitet am 15.12.2025
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Bild von Steve Buissinne auf Pixabay
In der Corona-Pandemie waren zwei Phänomene festzustellen:
- Die diesen Staat Regierenden stellten - etwas erstaunt - fest, was für eine ungeheure Machtfülle ihnen auch in Nichtkriegszeiten zufallen konnte.
- Das Denunziantentum stand in der Gesellschaft auf einmal hoch im Kurs und es war nicht mehr ungewöhnlich, dass Menschen ihre Nachbarn anzeigten, wenn diese gegen vorgeschriebene Maßnahmen verstießen.
Das bewies, wie schnell eine Gesellschaft in eine Kultur der Überwachung und Denunziation abdriften konnte. Die staatlichen Organe (Exekutive) können im Zusammenspiel von gehorsamen Parteien (Legislative), untertänigen Juristen (Judikative) und willfährigen Medien (vierte Gewalt) Angst erzeugen und Menschen zu der Meinung bringen, dass sie durch Denunzieren das Richtige tun würden.
Natürlich ist das nicht neu. Im letzten Jahrhundert erfreute sich in Deutschland das Denunziantentum vor allem in den Unrechtsregimen der Nazis und der DDR großer Beliebtheit.
Zivilcourage hat übrigens nichts mit Denunzieren zu tun. Whistleblower genießen in der Regel Respekt, weil sie auf Missstände hinweisen und sich als Informanten oft selbst in Gefahr bringen, was negative Konsequenzen für ihr berufliches Fortkommen oder ihr Leben haben kann.
Ganz anders der Denunziant. Nicht umsonst heißt es: "Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant." Von der Allgemeinheit wird solch eine Person in der Regel geächtet, weil sie Mitmenschen aus persönlichen Gründen - oft hinterrücks - anzeigt oder verrät. Der Denunziant verspricht sich durch sein Tun eventuell Vorteile für sich selbst oder will dem Angezeigten aus Rache oder Neid eins auswischen. Oder er hat einfach das Gefühl, richtig zu handeln und damit etwas Schlechtes zu verhindern.
Die Pandemie ist vorbei, das Denunziantentum ist geblieben. Ja, es wird sogar durch Institutionen und Behörden gefördert. Wenn schon die Wirtschaft nicht mehr wächst, so gedeihen wenigstens unzählige Meldestellen und Hinweisgeberplattformen, zusätzlich alimentiert durch Staatsgelder. Das Denunziantentum hat sich - kurz gesagt - zum einträglichen Geschäftsmodell entwickelt. Und auch wenn es als Belohnung mal kein Geld gibt, so darf man sich doch wenigstens moralisch überlegen fühlen, denn man steht ja auf Seite der "Guten".
Zur eigenen Legitimation braucht dieser Staat offenbar Feindbilder und Organisationen, welche ihm zuarbeiten. Ihm reicht nicht die Komplizenschaft von willfährigen Journalisten. Während die Mielke-Truppe in der DDR dereinst im Geheimen ihre IMs rekrutieren musste, geht das heute in der BRD ganz offen und legitim - im Namen der Demokratie.
Das Ergebnis ist ein Klima der Angst und Selbstzensur. Umfragen bestätigen, dass immer mehr Deutsche sich nicht mehr trauen, die eigene Meinung öffentlich zu äußern. Der Philosoph und Buchautor Richard David Precht spricht aus eigener Erfahrung, wenn er 2025 auf der Frankfurter Buchmesse in einem Zeit-Interview feststellt:
"Wenn man vor zehn Jahren in eine Talkshow ging, hab' ich keine Sekunde darüber nachgedacht, ob ich ein falsches Wort gebrauchen könnte. Wenn ich heute in einer Talkshow bin, weiß ich sehr, sehr genau, bei welchen Themen ich ganz genau auf die Wortwahl achten muss. Das hat sich massiv verändert gegenüber vorher und das spürt ein großer Teil der Bevölkerung."
Und da ist der Herr Precht noch privilegiert, denn immerhin wird er in Talkshows eingeladen, andere eben nicht. Über diese darf dann gemeinsam in deren Abwesenheit hergezogen werden.
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