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Dunkle Flecken auf der angeblich sauberen SPD-Weste

zuletzt bearbeitet am 26.1.2026

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Inhalt In aller Kürze:
Die SPD steht am Abgrund. Folglich sorgt sie sich um Deutschland und "unsere Demokratie". In Wirklichkeit geht es um die eigene Macht. Der ehemaligen Volkspartei drohen immer öfter einstellige Wahlergebnisse. Um die Mitglieder und die Christdemokraten bei der Stange zu halten, wird die Nazi-Keule geschwungen. Und Nazis sind natürlich immer nur die anderen. Aber untersucht man die Geschichte der SPD, entdeckt man jede Menge schmutzige Flecken auf der vermeintlich blütenweißen Weste. Beispiele: Zusammenarbeit der führenden Sozialdemokraten mit rechtsextremen Kräften nach der Novemberrevolution, Verachtung des Lumpenproletariats, Verständnis für den Sozialdarwinismus, eine fragwürdige Erbgesundheitslehre und ein zweifelhaftes Verhalten gegenüber der NSDAP und der Hitlerregierung.

SPD-Parole 'Nur falls jemand fragt: Keine Zusammenarbeit mit Nazis. Seit 1863.SPD-Parole "Nur falls jemand fragt: Keine Zusammenarbeit mit Nazis. Seit 1863."

Die SPD war einmal eine wichtige Partei in Deutschland, aber ihre Bedeutung nimmt stetig ab. Die SPD hat seit den 1970er Jahren fast 600.000 Mitglieder verloren und dürfte inzwischen bei 350.000 angekommen sein. Das liegt vor allem an den Sozialdemokraten selbst. An ihrem Personal, das immer austauschbarer und farbloser wird. An ihrer praktischen Politik, welcher immer weniger Unterstützer und Wähler folgen können. Und was wird in solchen Zeiten ganz dringend gebraucht, auch und gerade für die eigenen Mitglieder? Angstmache und ein Feindbild. So präsentierten die Genossen im Januar 2025, einen Monat vor der letzten Bundestagswahl, die neue Parole: "Nur falls jemand fragt: Keine Zusammenarbeit mit Nazis. Seit 1863."

Es fallen sofort einige Ungereimtheiten am Text auf. Das Jahr 1863 soll natürlich auf das Gründungsjahr verweisen. Zur ganzen Wahrheit gehört aber, dass am 23. Mai 1863 lediglich eine der Keimzellen der SPD gegründet wurde, nämlich der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) des Ferdinand Lassalle. 1869 etablierte sich eine weitere Arbeiterpartei, die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP). Beide Parteien fusionierten 1875 auf dem Gothaer Kongress zur Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP). Und diese Organisation war der eigentliche Vorläufer der heutigen SPD. Erst 1890 nach dem Ende des "Sozialistengesetzes" wurde die Sozialistische Arbeiterpartei als SPD, also als Sozialdemokratische Partei Deutschlands, neu gegründet und ist seitdem unter diesem Namen allgemein bekannt.

SPD-Führer Friedrich Ebert im Jahr 1915Wikipedia-Foto (gemeinfrei): SPD-Führer Friedrich Ebert, 1915

Etwas anderes an der Parole ist jedoch viel bemerkenswerter: Zwischen 1863 und 1920 gab es überhaupt keine Nazis, mit denen die SPD hätte zusammenarbeiten können. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, die NSDAP, verkürzt als Nazi-Partei bezeichnet, wurde am 24. Februar 1920 gegründet.

Natürlich gab es Vorläufer. Rechtsextreme und nationalistische Gruppen und Parteien, die nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wie Pilze aus dem Boden schossen und sich vor allem aus demobilisierten Soldaten und Offizieren rekrutierten. Die Sozialdemokraten mit Friedrich Ebert an der Spitze waren es, die in ihrer Angst vor der roten Revolution und mangels eigener Machtmittel auf völkisch-rechtsextremistische Freicorps und Brigaden zurückgriffen. Diese konnten - mit der schwarz-weiß-roten Reichskriegsflagge und häufig schon mit dem Hakenkreuz-Symbol auf Stahlhelmen und Militärtransportern - an den roten "Volksverrätern" und "Novemberverbrechern" weitgehend ungeschoren Rache nehmen. Sehr viele Mitglieder der paramilitärischen Freiwilligenverbände traten bald in die NSDAP ein und machten später im Hitlerstaat Karriere.

Es gibt unzählige Beweise für die Zusammenarbeit der führenden Sozialdemokraten mit den republikfeindlichen Kräften nach der Novemberrevolution. Neben Ebert ("Ich hasse die Revolution wie die Sünde") tat sich Gustav Noske ("Einer muss der Bluthund werden") unrühmlich hervor. Noske war von Februar 1919 bis März 1920 erster Reichswehrminister. Mit seinem Wissen und seinem Einverständnis wurden die Kommunistenführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gemeuchelt. Beim Offizier Waldemar Pabst, der die Morde an Luxemburg und Liebknecht veranlasst hatte, wurde im Nachlass nach seinem Tod die Abschrift eines Briefes gefunden, in welchem er offenbarte:

"Dass ich die Aktion ohne Zustimmung Noskes gar nicht durchführen konnte – mit Ebert im Hintergrund – und auch meine Offiziere schützen musste, ist klar. Aber nur ganz wenige Menschen haben begriffen, warum ich nie vernommen oder unter Anklage gestellt worden bin. Ich habe als Kavalier das Verhalten der damaligen SPD damit quittiert, dass ich 50 Jahre lang das Maul gehalten habe über unsere Zusammenarbeit."

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Schon Karl Marx hatte einen Gegensatz aufgezeigt zwischen dem von ihm so benannten "Lumpenproletariat" und dem eigentlichen Proletariat. Die Lumpenproletarier wurden als käufliche Masse der Reaktion und als Gefahr für die Arbeiterbewegung eingeordnet. Selbst Rosa Luxemburg sprach vom "Lumpenproletariat" als von "Verbrechern und Prostituierten". Auf der anderen Seite standen die klassenbewussten und revolutionären Industriearbeiter, die durchaus ein eigenes Selbstbewusstsein hatten. Vor allem, wenn sie zu Facharbeitern ausgebildet waren. Auch die organisierte Sozialdemokratie sprach nicht ohne Stolz von der Arbeiterklasse und einer glorreichen Zukunft nach dem Sieg über das Bürgertum.

HinweisAnmerkung: Die heutigen SPD-Führer tun genau das Gegenteil von dem, was ihre Vorfahren gemacht haben. Sie beschäftigen sich immer mehr mit dem "Lumpenproletariat", welches natürlich anders benannt ist. Heute spricht man eher von gesellschaftlichen Randgruppen. Und darunter fallen Bürgergeldbezieher ebenso wie Flüchtlinge, ethnische Minderheiten, Obdachlose, Suchtkranke, Menschen mit Behinderungen, Straffällige und andere randständige Gruppen. Die "arbeitende Bevölkerung", die mit ihren (überhöhten) Steuerzahlungen den in der Regel nicht arbeitenden Teil der Gesellschaft ein finanziell weitgehend auskömmliches Leben erst ermöglicht, fühlt sich von der heutigen SPD immer weniger vertreten und wendet sich der AfD zu. Sogar einstmals hier eingewanderte "Gastarbeiter", die früher in der Regel immer die SPD gewählt haben, laufen über oder gehen überhaupt nicht mehr zur Wahl. Die SPD sitzt in der selbst gebauten Falle. Einerseits verlieren sie die "arbeitende Bevölkerung". Andererseits besorgen sich ja schon die Bündnisgrünen und die Linke um die Randgruppen. Das Wählerpotenzial für die Sozialdemokraten verringert sich also entsprechend. Zuletzt werden ihre älteren Wähler auch mit jedem weiteren Jahr weniger. Übrigens: Das Durchschnittsalter der SPD-Mitglieder beträgt 61 Jahre (Stand: 31.12.2021). Der Tag scheint nicht mehr fern zu sein, dass die SPD bei einer Wahl an der 5-Prozent-Hürde scheitert. Die SPD-Führer von heute haben das Erbe verspielt. Da nutzt es auch nichts, das Erbe von Reichen ins Visier zu nehmen.

Gehen wir in die Geschichte zurück. Nachdem man auf sozialdemokratischer Seite sicher war, das Lumpenproletariat eher als Feind denn als Verbündeten einzuordnen, ging man das Problem zunehmend biologisch an. Schon August Bebel (1840-1913) orientierte sich in seinem Buch "Die Frau und der Sozialismus" an den Naturgesetzen eines Charles Darwin und ging offenbar von einer Vererbung erworbener Eigenschaften der Menschen und letztlich deren möglicher Steuerung aus. Die Erbgesundheitslehre wurde zunehmend Thema in der Partei, insbesondere nachdem Hunderttausende von Kriegsversehrten in die Heimat zurückkehrten. An dieser Stelle können nur einige kurze Hinweise genannt werden. Vielleicht finde ich einmal die Zeit, die an sich interessante Thematik ausführlicher darzustellen.

Karl Kautsky (1854–1938), der Chefideologe der SPD, war ziemlich angetan vom Darwinismus und der Eugenik. In seinem 1910 veröffentlichten Buch "Vermehrung und Entwicklung in Natur und Gesellschaft" befasste er sich in einem eigenen Kapitel mit dem Thema "Rassenhygiene". Darin forderte er eine "künstliche Zuchtwahl", mit der alle "kränklichen Individuen, die kranke Kinder zeugen können", an der Fortpflanzung gehindert werden sollten. Er sah andernfalls eine Gefahr für das sozialistische Projekt, denn er befürchtete eine sich rasant verbreitende "Degeneration" der Menschen, insbesondere der Arbeiterklasse.

Die SPD-Reichstagsabgeordnete Oda Olberg (1872-1955) veröffentlichte 1926 ihr Buch "Entartung in ihrer Kulturbedingtheit". Darin versuchte sie, das gesellschaftlich abweichende Verhalten des Lumpenproletariats ("Abfall aller sozialen Schichten") unter anderem biologisch zu erklären, weil die Kultur und der Mangel an natürlicher Auslese zu einer Verschlechterung des Erbgutes führen würde. Weitergehende Schritte wie die Tötung unheilbar Kranker seien aber erst in einer sozialistischen Gesellschaft zu erwägen. Entsprechende Forderungen der Nazis bezeichnete sie allerdings als reaktionär.

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Foto von Alfred Grotjahn im Jahr 1929Foto auf Wikipedia: Bundesarchiv, Bild 183-1991-0904-505 / CC-BY-SA 3.0, Bundesarchiv Bild 183-1991-0904-505, Prof. Dr. Alfred Grotjahn, CC BY-SA 3.0 DE extern🡽
Alfred Grotjahn (1929)

Alfred Grotjahn (1869-1931) war ein deutscher Arzt und sozialdemokratischer Reichstagsabgeordneter. Er wurde als "Vater der Sozialmedizin" bezeichnet. In seiner 1926 erschienenen Schrift "Die Hygiene der menschlichen Fortpflanzung: Versuch einer praktischen Eugenik." forderte Grotjahn den Übergang von einer rein wissenschaftlichen Eugenik hin zu deren praktischen Anwendung. Deren Verwirklichung beschrieb er anhand verschiedener Bevölkerungsgruppen beispielsweise so:

"Alles in allem wird sich also dieser durch die Lungentuberkulose stigmatisierte Kreis der Astheniker* auf eine Million Volksgenossen erstrecken, von denen zur Zeit noch die meisten heiraten und sich fortpflanzen. Diese Million Menschen braucht es nicht zu geben. Sie ist nicht nur ein Ballast in wirtschaftlicher Hinsicht, was zu ertragen wäre, sondern eine Quelle sich durch den Erbgang fortsetzender Minderwertigkeit. Soviel Mitleid wir auch mit den Erkrankten haben und so sehr wir ihre Leiden durch Fürsorge, Pflege und spezifische Behandlung aufzuhalten suchen müssen: als Gegenleistung können wir verlangen, daß sie auf Familiengründung und Fortpflanzung verzichten […]. Den Gegenpol zu den Asthenikern, körperlich Minderwertigen und Schwächlingen bilden die muskelstarken, breitschulterigen, organgesunden Starken und Rüstigen, deren überdurchschnittliche Fortpflanzung nicht nur vom fortpflanzungshygienischen Standpunkte aus wünschenswert ist. […] [Zumindest im Bereich des Beamtentums] sollte dafür gesorgt werden, daß das durch ärztliche Untersuchung als besonders rüstig ausgesiebte Menschenmaterial frühzeitig zur Ehe mit gleichgearteten Partnern gelangt und durch eine fühlbare Berücksichtigung der Kinderzahl bei der Besoldung zu Kinderreichtum angereizt würde."

* Ein Astheniker ist ein historischer Begriff, der einen schlanken, hageren, langgliedrigen Körpertyp beschreibt, mit schmalem Rumpf, langen Gliedmaßen, schmaler Brust und oft langer Hals. Dieser Typ galt als körperlich und geistig empfindlich, leicht erschöpfbar und wetterfühlig.

Der Sozialdemokrat Karl Valentin Müller (1896-1963) veröffentlichte 1929 im Auftrage der Gewerkschaften die Publikation "Arbeiterbewegung und Bevölkerungsfrage", die als allgemeinverständliche Einführung in die Rassenhygiene dienen sollte. Darin führte er aus:

"Rassenhygiene, das heißt zielbewusstes, strenges Streben nach Hebung der Güte der Erbmasse, als sozialistisches Kampfmittel, planvolle Züchtung der sozialbiologischen Anlagen, die auf das Ziel einer neuen, harmonischeren Gemeinschaft weisen; rücksichtslose, wenn möglich zwangsweise Unterbindung des Nachwuchses aus dem ‚Bevölkerungsballast’, den wir allzulange schon mit uns schleppen und der ein schlimmerer Ausbeuter der produktiven Arbeit ist als sämtliche Industriekönige zusammengenommen. Wir müssen noch fähig und würdig werden des Preises, der im Sozialismus uns vor Augen schwebt. Oder ohne alle Illusion gesprochen: Wir müssen mit möglichster Beschleunigung eine möglichst fähige sozialistische Unternehmerschicht und möglichst willige und kluge sozialistische Qualitätsarbeiterschichten züchten und erziehen, wenn der Sozialismus in absehbarer Zeit Wirklichkeit werden soll."

Von diesen Thesen war es dann nicht mehr weit zur nationalsozialistischen Rassenhygienepolitik. 1935 veröffentlichte Müller in Nazideutschland sein Hauptwerk "Der Aufstieg des Arbeiters durch Rasse und Meisterschaft" und entwickelte das Projekt eines neuen Arbeiteradels als Elite. Folgerichtig trat Müller 1937 der NSDAP bei.

Die Sterilisationspolitik in Deutschland war keine nationalsozialistische Erfindung, wenn auch erst der Hitlerstaat ein Sterilisationsgesetz und dessen systematische Umsetzung in seiner schlimmsten Form verwirklichte. Aber auch in der demokratischen Republik von Weimar gab es immer wieder Versuche, die Bevölkerungsentwicklung zu steuern, insbesondere aus finanziellen und wohlfahrtspolitischen Gründen. Spätestens seit der Weltwirtschaftskrise 1929 wurde intensiv über die Einführung eines Sterilisationsgesetzes diskutiert. An solchen Debatten und Initiativen waren die Sozialdemokraten durchaus an vorderster Front beteiligt. Allenfalls ging es um Freiwilligkeit oder Zwang. Der größte Widerstand kam aber eher von den christlichen Parteien.

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Nach der Reichstagswahl im Mai 1928 hatte sich eine "Große Koalition" aus fünf Parteien unter Reichskanzler Hermann Müller (SPD) gebildet, die aber im März 1930 zerbrach. Reichspräsident Paul von Hindenburg ernannte nun den Zentrumspolitiker Heinrich Brüning zum Reichskanzler, der allerdings nur eine Minderheitsregierung ohne die SPD zustande bringen konnte.

Reichstag-Abstimmung am 18.Juli 1930 der NSDAP-FraktionReichstag-Abstimmung am 18.Juli 1930 der NSDAP-Fraktion

Der von Brüning vorgelegte Reichshaushalt wurde (fast zwangsläufig) von der Mehrheit des Parlaments abgelehnt. Die SPD-Fraktion hatte übrigens keinerlei Problem damit, zusammen mit der noch winzigen NSDAP-Fraktion abzustimmen und Brüning zu Fall zu bringen. Als der Kanzler den Haushalt als "Notverordnung zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen" durchbringen wollte, scheiterte er erneut, weil der Reichstag auf Antrag der SPD von seinem Recht Gebrauch machte, eine Notverordnung aufheben zu können. Die 256 Stimmen kamen von SPD, KPD, NSDAP und DNVP. Die Folge war, dass der Reichstag aufgelöst und Neuwahlen angesetzt wurden.

Diese Wahl fand am 14. September 1930 statt - und das Ergebnis war ein Erdrutschsieg der NSDAP. Die Sozialdemokraten, die ja eigentlich diese Wahl erst möglich gemacht hatten, verloren 10 Sitze, blieben aber mit 143 Mandaten stärkste Fraktion. Die Wahlsieger waren die Nationalsozialisten, welche die Zahl ihrer Abgeordneten von 12 auf 107 steigern konnten. Auch die Kommunisten gewannen und stiegen zur dritten Kraft auf.

Brüning schusterte zwar eine Minderheitskoalition (ohne SPD) zusammen, konnte aber nur noch mit Notverordnungen regieren. Diese wurden dann in großer Eintracht von NSDAP und KPD torpediert. Der SPD blieb - aus Angst vor einer Neuwahl - nichts anderes übrig, als mit den Regierungsparteien gegen die Aufhebung der Verordnungen zu stimmen. Inhaltlich vernünftige Politik für die Mehrheit des Volkes fand nicht mehr statt und endete schließlich in der Katastrophe von 1933.

Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 lehnte es der SPD-Vorstand ausdrücklich ab, sich dem Generalstreikaufruf der KPD, den diese an die SPD und die Gewerkschaften gerichtet hatte, anzuschließen. Stattdessen wollten die SPD-Führer, den Kampf gegen die Hitler-Regierung ausschließlich "auf dem Boden der Verfassung" führen. Die Verfassung jedoch wurde am 28. Februar 1933 nach dem Reichstagsbrand durch die Notverordnung "Zum Schutz von Volk und Staat" weitgehend außer Kraft gesetzt. Die KPD wurde praktisch ausgeschaltet und auch viele SPD-Genossen wurden verhaftet oder flohen.

HinweisSie finden weitere Berichte über das zum Teil zwielichtige Verhalten der SPD in der Anfangszeit der Hitlerregierung an anderen Stellen der Kopfsplitter-Website. Siehe dazu die Verlinkungen am Ende dieses Artikels.

Die Maßnahmen der neuen Regierung hatten natürlich einen extrem einschüchternden Einfluss auf den gerade stattfindenden Wahlkampf. Trotzdem erlangte die NSDAP am 5. März mit 43,9 Prozent der Stimmen nur zusammen mit den 8 Prozent für die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) die absolute Mehrheit. Wenige Wochen später, am 23. März 1933, stand das "Ermächtigungsgesetz" auf der Tagesordnung des Reichstages. Faktisch bildete dieses Gesetz die rechtliche Grundlage für die NS-Diktatur. Es wurde in Abwesenheit der Kommunisten mit einer Mehrheit von 441 Stimmen gegen die 94 Nein-Stimmen der anwesenden SPD-Abgeordneten angenommen.

Foto von Paul Löbe im Jahr 1924 Foto auf Wikipedia: Bundesarchiv, Bild 102-01053A / CC-BY-SA 3.0, Bundesarchiv Bild 102-01053A, Paul Löbe, CC BY-SA 3.0 DE extern🡽
Paul Löbe (1924)

Trotz der widrigen Umstände wählten die Sozialdemokraten Ende April 1933 einen neuen Parteivorstand, der aber zur Sicherheit ins Ausland geschickt wurde. Die zentrale Figur im Reich war fortan der Fraktionsvorsitzende Paul Löbe. Als Hitler für den 17. Mai die nächste Reichstagssitzung ansetzte, um über seine "Friedensresolution" abstimmen zu lassen, setzte Löbe gegen den Willen des Parteivorstands in Prag die Teilnahme der dezimierten Restfraktion an der Sitzung durch. Letztlich stimmten die SPD-Genossen für die Resolution, weil sie einerseits den Inhalt bejahten und sich andererseits ein Entgegenkommen der Hitler-Regierung erhofften. Das hatte zur Folge, dass sich die Auseinandersetzungen zwischen der heimischen Löbe-SPD und den nach Prag geflohenen Genossen zusehends verschärften.

Die in Deutschland verbliebenen SPD-Funktionäre wählten auf einer Reichskonferenz am 19. Juni 1933 ein "Direktorium" genannten Parteivorstand, der sich ausdrücklich gegen den Prager Exilvorstand positionierte. Es nutzte alles nichts. Die Hitlerregierung schränkte die politische Betätigung der SPD weiter ein und am 14. Juli 1933 wurde die Partei endgültig verboten.

Paul Löbe selbst sorgte im nächsten Jahr für Schlagzeilen. Er hatte sich in einem Interview unerwartet positiv über wirtschaftliche und außenpolitische Erfolge der Hitlerregierung geäußert und sah überhaupt keine Zukunft mehr für die Sozialdemokratie. Im Mai 1938 wurde er von Hermann Göring zu einem Gespräch eingeladen, in welchem über dieses Interview und die wirtschaftlichen Leistungen der Nazis gesprochen wurde. Löbe nutzte die Gelegenheit und beklagte seine finanzielle Lage. Göring sorgte dafür, dass der frühere Reichstagspräsident Schadenersatz und zukünftig eine monatliche Rente erhielt.

Der zunächst ebenfalls im Reich verbliebene Reichstagsabgeordnete Wilhelm Hoegner ließ es sich nach dem Krieg nicht nehmen, auf ein weiteres pikantes Detail in der politischen Biographie des Kollegen Paul Löbe hinzuweisen. Dieser hatte sich nämlich im Frühjahr 1927 für die Aufhebung des gegen Adolf Hitler erlassenen Redeverbots eingesetzt - wegen dessen Verdienst, im Ersten Weltkrieg auf deutscher Seite gekämpft zu haben.

SPD-Parole 'Nur falls jemand fragt: Keine Zusammenarbeit mit Nazis. Seit 1863.SPD-Parole "Nur falls jemand fragt: Keine Zusammenarbeit mit Nazis. Seit 1863."

Es ist notwendig, am Ende noch einmal die Parole der SPD zu zitieren: "Nur falls jemand fragt: Keine Zusammenarbeit mit Nazis. Seit 1863." Die SPD hat damit bewiesen, dass Hochmut noch während des Falls möglich ist. Natürlich kann die Sozialdemokratie auf große Verdienste für die Verbesserung der Lebensumstände in diesem Land verweisen. Aber sie verwandelt sich seit Jahren aus eigener Schuld vom roten Riesen in einen weißen Zwerg.

Um überhaupt noch an den Futtertrögen der Macht schlemmen zu dürfen, ist es für die Sozialdemokraten extrem wichtig, der anderen ehemaligen Volkspartei, der CDU/CSU, die Koalitionsmöglichkeit mit der Alternative für Deutschland weitgehend unmöglich zu machen. Daher das Einbrennen des Nazi-Stempels für die AfD. Wie einst die Mauer in Berlin, die Bewohner der DDR daran hindern sollte, das sozialistische System zu verlassen, so soll heute die Brandmauer die Christdemokraten stoppen, die linksgrüne Festung zu überwinden. Das ist nicht die letzte Patrone der Demokratie, sondern die letzte Patrone der SPD und der anderen Linksparteien.

Quellen:
Wikipedia: Lumpenproletariat extern🡽 Wikipedia: Eugenik extern🡽 u. a.

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