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US-Kriegsgrund: Angebliche Massenvernichtungsmittel
zuletzt bearbeitet am 15.12.2025
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In aller Kürze:Die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA hatten die Amerikaner in einen schweren Schockzustand versetzt. Als Drahtzieher hinter den Anschlägen der überwiegend saudi-arabischen Terroristen wurde Osama bin Laden ausgemacht, der in Afghanistan Unterschlupf gefunden hatte. Als die Afghanen den Al-Qaida-Gründer nicht ausliefern wollten, bombardierte die US-Luftwaffe das Land. Nach dem Sturz des Talibanregimes geriet zunehmend der irakische Diktator Saddam Hussein ins Visier der Bush-Administration. Den Irakern wurde vorgeworfen, im Besitz von Massenvernichtungsmitteln zu sein. Die Berechtigung der Vorwürfe wurde insbesondere von Deutschland, Frankreich und Russland angezweifelt. Diese Staaten beteiligten sich dann auch nicht am Krieg gegen den Irak, der 2003 begann und nach wenigen Monaten mit dem Sturz Saddam Husseins siegreich beendet wurde. Massenvernichtungsmittel konnten nicht gefunden werden. Die folgenden Jahre waren gekennzeichnet von Bürgerkriegen, Terroranschlägen und Gewaltkriminalität. Zwischenzeitlich war auch die Entstehung des religiös motivierten Schreckenregimes des Islamischen Staates eine Folge des Krieges. Gerade die zivile Bevölkerung hatte unter dem Krieg und den Folgen zu leiden. Die Opferschätzungen gehen bis zu einer Million. |
Einschlag von Flug United Airlines 175 ins World Trade Center 2
Foto aus Wikipedia:
Robert J. Fisch, UA Flight 175 hits WTC south tower 9-11, CC BY-SA 2.0 extern🡽
Die Vorgeschichte: Die Terroranschläge vom 11. September 2001 mit vier Flugzeugentführungen in Verbindung mit Selbstmordattentaten auf bedeutende Gebäude in den Vereinigten Staaten wurden von 19 Arabern im Auftrag des islamistischen Terrornetzwerks Al-Qaida unter der Führung von Osama bin Laden verübt. Die Anschläge forderten fast 3.000 Menschenleben.
Die NATO wertete diese massiven Anschläge zum ersten Mal in ihrer Geschichte als Angriff auf einen der Bündnispartner. Die amerikanische Regierung verwies außerdem auf Artikel 51 der Satzung der Vereinten Nationen, welcher das Recht der individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung vorsieht. Obwohl 15 Terroristen Staatsangehörige Saudi-Arabiens waren, richtete sich das amerikanische Hauptaugenmerk auf Afghanistan und besonders auf den dort lebenden Osama bin Laden.
Bin Laden, Gründer und Lenker der islamistischen und terroristischen Gruppe Al-Qaida, wurde in Saudi-Arabien geboren. Die UN und die USA verlangten die sofortige Auslieferung Bin Ladens durch das Regime der Taliban in Afghanistan. Das wurde mit der Begründung abgelehnt, dass Bin Ladens Schuld nicht bewiesen sei und dass er in Afghanistan überhaupt keinen Freiraum gehabt hätte, um Anschläge zu planen.
Daraufhin bombardierte das US-Militär am 7. Oktober 2001 Stellungen und Infrastruktur der Taliban in Afghanistan. Eine mit den USA verbündete Allianz aus afghanischen Rebellen konnte bis zum Jahresende das Regime unter Mullah Omar stürzen. Bin Laden entkam jedoch, lebte jahrelang auf der Flucht an verschiedenen Orten und konnte sich schließlich in einem pakistanischen Dorf verstecken. Dort wurde er in einer geheimen Kommandoaktion von US-Spezialeinheiten im Auftrag des amerikanischen Präsidenten Barack Obama am 2. Mai 2011 erschossen. Man könnte auch Ermordung dazu sagen.
Nachdem das Afghanistan-Problem zunächst gelöst schien, geriet zunehmend der irakische Diktator Saddam Hussein ins Visier der Bush-Administration. Es gab zwar überhaupt keine Beweise, dass der Irak hinter den Anschlägen vom 11. September steckte, trotzdem wurde ihm Nähe zum Terrorismus unterstellt. Die Amerikaner drohten offen mit einem Präventivkrieg, um einen Angriff des Irak mit Massenvernichtungsmitteln auf die USA zu verhindern, der angeblich bevorstand.
Eine wichtige Rolle spielte in diesem Zusammenhang der irakische Chemiker Rafed Ahmed Alwan, der 1999 nach Deutschland geflohen war. Der deutsche Bundesnachrichtendienst befragte ihn nach Husseins Waffenarsenalen und Alwan (Deckname "Curveball") lieferte. Und je mehr er plauderte, umso besser ging es ihm - auch wirtschaftlich. Also log er immer mehr dazu. Allerdings bekam der BND Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit, als er den ehemaligen Chef Alwans kontaktierte. Der konnte Alwans Berichte nämlich überhaupt nicht bestätigen. Das gaben die deutschen Geheimdienstler auch ihren amerikanischen Partnern weiter.
In der bevorstehenden Auseinandersetzung mit dem Irak wollten die Amerikaner die Quelle "Curveball" - trotz der deutschen Warnungen - propagandistisch nutzen. Alwans Aussagen wurden von US-Außenminister Colin Powell in seiner Rede vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen als gesicherte Informationen verkauft. Seine Behauptungen stellten sich später als falsch heraus und Powell selbst bezeichnete einige Jahre später diese Rede als Schandfleck seiner Karriere. Und auch Alwan gestand reumütig, dass er durch seine Lügengeschichten den Druck auf Saddam Hussein erhöhen wollte.
Foto aus Wikipedia (gemeinfrei):
US-Außenminister Powell vor dem UN-Sicherheitsrat
Am 5. Februar 2003 führte US-Außenminister Colin Powell bei der entscheidenden Sitzung des UN-Sicherheitsrats angebliche Beweise für biologische und chemische Waffen sowie für Bauteile atomarer Waffen des Irak vor, die sich bis Mitte 2004 alle als falsch herausstellten.
Vordergründig ging es um die UN-Resolution 1441, in welcher der Irak verpflichtet worden war, etwa vorhandene Massenvernichtungswaffen beseitigen zu lassen. Nachdem UN-Inspektoren wieder in den Irak einreisen durften, fanden sie allerdings keine Anhaltspunkte für ein neues Atomwaffenprogramm und keine der vermuteten Substanzen für B- und C-Waffen. Unklar blieb jedoch, ob noch Altbestände vorhanden waren, deren Zerstörung der Irak angegeben hatte. Weitere Inspektionen sollten Klarheit schaffen. Die amerikanische Regierung hatte aber inzwischen schon eine "Koalition der Willigen" auf die Beine gestellt. Sie wollte diesen Krieg.
Zum Vergleich: Das kommunistische Regime in der Volksrepublik Nordkorea verfügte auf jeden Fall über Massenvernichtungsmittel, nämlich Atomwaffen, und drohte sogar unverblümt den USA damit. Wahrscheinlich hatte der "Oberste Führer" in Nordkorea Kim Jong-un auch nicht weniger Menschenrechtsverletzungen begangen als der irakische Staatspräsident Saddam Hussein. Was sind die Unterschiede? Hinter Nordkorea stand der Verbündete China. Der Irak war auf sich allein gestellt. Nordkorea war und ist immer noch eine äußerst starke Militärmacht, der Irak war dagegen militärisch ein Zwerg. Aber das Wichtigste: Der Irak besaß und besitzt immer noch im Gegensatz zu Nordkorea ungeheure Mengen an Öl.
Der UN-Sicherheitsrat verweigerte die Legitimation des Krieges durch ein UN-Mandat, so dass er als völkerrechtswidriger Angriffskrieg bewertet wird. Die USA und Großbritannien verhinderten mit ihrem Vetorecht jedoch, dass der Sicherheitsrat den Irakkrieg verurteilte. Mehrere europäische Staaten, so auch Deutschland, Frankreich und Russland beteiligten sich nicht an der "Koalition der Willigen".
Die US-Regierung stellte Saddam Hussein am 17. März 2003 ein Ultimatum, das ihn aufforderte den Irak innerhalb von 48 Stunden zu verlassen. Falls er dem nicht folgen sollte, würde der Irak angegriffen werden. Als Hussein sich weigerte, bombardierten US-Streitkräfte Ziele in der Hauptstadt Bagdad. Alliierte Bodentruppen wurden von Kuwait und Jordanien aus nach Irak in Marsch gesetzt und stießen auf keinen übergroßen Widerstand. Bagdad wurde schon am 5. April erreicht. Nach der Eroberung der Hauptstadt und dem Sturz von Saddam Hussein erklärte US-Präsident George W. Bush am 1. Mai 2003 den Krieg als siegreich beendet.
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Saddam Hussein (2004)
Am 13. Dezember 2003 konnte Saddam Hussein von US-Besatzungstruppen festgenommen werden. Fast zwei Jahre später wurde ihm der Prozess vor einem irakischen Gericht gemacht. Hussein wurde in einem ziemlich fragwürdigen Verfahren zum Tode verurteilt und am 30. Dezember 2006 gehängt. Die sterblichen Überreste Saddam Husseins wurden 2014 von seinen Anhängern aus seinem Grab entwendet und an einen unbekannten Ort gebracht.
Die Besetzung des Iraks von 2003 bis 2011 war gekennzeichnet von bürgerkriegsähnlichen Zuständen mit Terroranschlägen und Gewaltkriminalität. Vor allem Zivilisten waren die Leidtragenden. Opferschätzungen gehen bis zu einer Million. Eine Folge des Krieges und eine wirkliche Zerreißprobe für den Staat war die Entstehung des religiös motivierten Schreckenregimes des Islamischen Staats (IS), der sich aus dem Aufstand im Irak ab 2011 entwickelte. Das führte zu einem richtigen Bürgerkrieg, der erst 2017 beendet werden konnte.
Es wurden zahlreiche dokumentierte Völkerrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen durch US-amerikanische Militärs begangen. Am 31. Dezember 2021 endete der US-Kampfeinsatz. Allerdings blieben Militärberater im Land.
Quellen Wikipedia: Irakkrieg 2003 und Chronologie des Irakkriegs 2003 durch UPI - Umwelt- und Prognose-Institut e.V. extern🡽
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