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"Wesen des Dings als Erinnerung"
zuletzt bearbeitet am 15.12.2025
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Installation von Jason Dodge © 2025 Kopfsplitter-Foto
Die Installation im Hamburger Bahnhof Berlin trägt den Titel "Darkness falls on Dobeinitz 18, 9074 Dobeinitz, Austria". Dobeinitz ist ein kleiner Ort in der Region Oberkärnten (Österreich) und hat etwa 95 Einwohner. Warum der US-amerikanische Künstler ausgerechnet in diesem Nest aktiv wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Auch andere Fragen stellte ich mir und ersuchte um Antworten bei den zuständigen Museumsverantwortlichen.
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Gesendet: 20. März 2024 um 11:26 Uhr Sehr geehrte Damen und Herren, ich fand leider keine eigene Kontaktadresse des Hamburger Bahnhofs und benutze daher für meine Fragen das Kontaktformular der Staatlichen Museen. Im März 2024 besuchte ich die Ausstellungen im Hamburger Bahnhof Berlin. Dabei fiel mir die Installation "Darkness falls on Dobeinitz 18, 9074 Dobeinitz, Austria" von dem 1969 in den USA geborenen Künstler Jason Dodge auf. Dem entsprechenden Beschreibungstext entnahm ich folgenden Wortlaut: "Zu einem unbekannten Zeitpunkt bat Jason Dodge die Eigentümer*innen eines Hauses in einer österreichischen Siedlung, alles, was Licht bringt, für immer zu entfernen: Kerzen, Teelichter, Streichhölzer, Feuerzeuge, Glühbirnen und Leuchtstoffröhren, dazu ein Radio, einen Toaster, einen Scanner und einen Kaffeeautomaten. Keine künstlichen Leuchtmittel wirken mehr der Nacht entgegen. Sonne und Mond sind die einzigen verbleibenden Lichtquellen. Die entfernten Leuchtmittel bilden die hier gezeigte Installation. Sie wurden nicht bewusst arrangiert, sondern spontan so angeordnet, wie sie aus der Transportkiste herausgenommen wurden. Anders als viele Künstler*innen interessiert sich Dodge weder für das Abbild eines Dings, noch dafür, wie es sich als Form im Raum darstellt. In seiner Arbeit geht es ihm um den eigentlichen Gegenstand und um das 'Wesen des Dings als Erinnerung'". Ich möchte hier nicht auf die elitäre und undemokratische Benutzung des Gendersternchens eingehen. Bevor ich ein abschließendes Urteil über dieses "Kunstwerk" äußere, erlaube ich mir als Kunstinteressierter und Bürger dieser Stadt, Ihnen folgende Fragen zu stellen:
Ich erwarte mit großem Interesse Ihre Antworten und möchte mich schon jetzt dafür bedanken. Mit freundlichen Grüßen |
Nach dem Abschicken des Formulars erhielt ich umgehend eine automatisierte Bestätigung, dass die Anfrage an die zuständige Stelle weitergeleitet werde. Nach vier Wochen, am 18. April 2024 um 11:38 Uhr, verlor ich etwas die Geduld und brachte meine Anfrage wieder in Erinnerung. Dieses Mal schrieb ich eine Mail direkt an das Sekretariat vom Hamburger Bahnhof. Mit durchschlagendem Erfolg: 4 Stunden später erhielt ich folgende Antwort.
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Gesendet: 18. April 2024 um 15:29 Uhr
Sehr geehrter Herr Patalong, vielen Dank für ihr Interesse an unserer Ausstellung. Wir bitten die Verzögerung zu entschuldigen. Zu ihreren Fragen bezüglich des Werkes „Darkness falls on Doebeinitz 18, 9074 Doebeinitz, Austria“ von 1969: Grundsätzlich fallen Entscheidungen darüber was zu welchem Zeitpunkt in der Ausstellung ausgestellt wird nicht einzelne Personen allein. Das gesamte Team unserer Kurator*innen, Kunsthistoriker*innen, Restaurator*innen und der Direktion entscheidet und diskutiert über einzelne Werke. Das Kurator*innen-Team, das speziell mit der Neupräsentation im Westflügel betreut ist, besteht aus der Kuratorin Dr. Catherine Nichols und dem Direktor Herrn Dr. Sam Bardaouil. Es handelt sich bei diesem Werk um eine Neuerwerbung, die, im Zuge der Neupräsentation der Sammlung im Westflügel, kohärent mit den Themen der Werke die bereits zur Sammlung gehörten, in Verbindung steht. Zu den Kosten für das Werk selbst dürfen wir ihnen aus rechtlichen Gründen keine Auskunft geben. Die Kosten für die Wachen sind für einzelne Werke nicht eindeutig zu beantworten, da je nach Anzahl der offenen Ausstellungsbereiche, je nach Wochentagen, Feiertagen und voraussichtlicher Besucher*innenzahl jeweils unterschiedlich berechnet wird. Die Aufgaben umfassen dabei nicht nur, dass Kunstwerke nicht beschädigt werden, sondern auch die Gewährleistung der Sicherheit der Besuchenden, zum Beispiel im Brandfall. Vielen Dank. Mit freundlichen Grüßen,
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Meine Antwort darauf finde ich leider nicht mehr. Ich erinnere mich jedoch, dass ich meinen zum damaligen Zeitpunkt fast vierjährigen Enkel ins Spiel brachte, der in der Lage wäre, beliebige Gegenstände spontan so anzuordnen, wie sie aus einer Kiste herausgenommen wurden. Der Preis für dieses "Kunstwerk" wäre zwar Verhandlungssache. Aber ich vermutete, dass er sich mit einer leckeren Süßigkeit begnügen würde. Die entsprechende Preisangabe dürfte aus rechtlichen Gründen natürlich nicht genannt werden. Und selbstverständlich wollte ich nicht der Diskussion mit anschließender Entscheidung aller Kurator*innen, Kunsthistoriker*innen, Restaurator*innen und Direktior*innen vorgreifen.
Auf dem Instagram-Account von Rozbeh Asmani, einem im Iran geborenen, deutschen Künstler und Professor, ist ein Foto extern🡽 des Werkes zu sehen, welches sich doch ziemlich von meiner Aufnahme unterscheidet. Da wird doch nicht die Putzfrau umgeräumt haben, oder? Dann wäre ja auch die intensive Bewachung der Installation während der Öffnungszeiten absolut sinnlos.
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