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Eintrittskarten für Konzerte

zuletzt bearbeitet am 15.12.2025

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Die ersten Konzerte erlebte ich in meiner Geburtsstadt Emden zu Zeiten der Beat-Musik. Die Bronshalle, in der auch ein gewisser Helmut Schmidt den einen oder anderen Kraftausdruck raushaute, war damals der Veranstaltungsort für größere Gigs. Der allererste Künstler in meiner Erinnerung ist Tony Seridan. Und der war beileibe kein Unbekannter, sondern hatte eine gemeinsame Vergangenheit mit den jungen Beatles Anfang der 1960er Jahre in Hamburg. Eine erste gemeinsame Platte wurde aufgenommen. Der bekannteste Track hieß: "My Bonnie".

Die Bandmitglieder Leo und Bernd bei einem Konzert in Mainz, 1967Foto: Godwin T. Petermann, The-lords03, CC BY-SA 3.0 extern🡽
Die Bandmitglieder Leo und Bernd bei einem Konzert in Mainz, 1967

Am 10.4.1965 traten Casey Jones & the Governors (bekanntester Song "Don't Ha Ha") und The Lords aus Berlin in der schon erwähnten Bronshalle auf. Letztere fielen nicht nur durch etwas abartige Pagen-Frisuren auf, sondern hatten es immerhin schon mit den englischsprachigen Hits "Shakin' All Over" und "Poor Boy" in die deutschen Charts geschafft. Die Beatbands und die Auftrittsorte vermehrten sich in dieser Zeit wie Sand am Meer. Die meisten Namen blieben Schall und Rauch. Aber an meinem Gymnasium haute zum Beispiel schon ein anderer Schüler, nämlich ein gewisser Otto Waalkes, aufs Schlagzeug und malte seine Elefanten in die Schülerzeitung.

Neben den Konzerten, die auf dieser Seite durch die abgebildeten Eintrittskarten dokumentiert sind, habe ich noch eine Liste von Auftritten mit Beteiligung deutscher Künstler gefunden: Franz-Josef Degenhardt, Bel Ami, Jutta Weinhold, Wolfgang Ambros, Floh de Cologne, Neonbabies, Tangerine Dream (2x), PVC (2x), Vorgruppe, Me and the Heat, Einstürzende Neubauten, Die Tödliche Doris, Leben und Arbeiten, Kriegsschauplatz und DIN A Testbild. Die Liste ist sicherlich nicht komplett.
Und nun zu den Eintrittskarten:

Eintrittskarte für das Konzert von Siouxsie and The Banshees und Kuschelweich im Berliner Kant-Kino am 13.7.1981

Ursprünglich war das Konzert von Siouxsie and the Banshees mit der deutschen Vorgruppe Extrabreit im Berliner Metropol vorgesehen. Nachdem die "Special Guests" aber ihren Auftritt abgesagt hatten, wich man mit neuem Vorprogramm ins kleinere Kant-Kino aus. Der Ersatz war Kuschelweich, was ich nachträglich auf dem Ticket handschriftlich hinzufügte. Die Berliner Morgenpost berichtete über deren Auftritt als "Pogo-Punk der antiquierten Sorte... der sich vor allem durch Lautstärke und Schnelligkeit auszeichnete."

Die Eintrittskarte für das Konzert von Marius Müller-Westernhagen am 28.11.1981 ist farblich eine der hässlichsten aus meiner Sammlung. Laut Zeitungsbericht soll Müller-Westernhagen gleich am Anfang versprochen haben: "Wir gehen nicht eher von der Bühne, bis wir umfallen und nicht mehr können." Dieser Zeitpunkt war nach ca. zwei Stunden gekommen. Das Konzert fand in der Deutschlandhalle statt. Diese war anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1936 als damals größte Mehrzweckhalle der Welt in Berlin in nur neunmonatiger(!) Bauzeit errichtet worden. Wegen der miesen Akustik war die Halle für Musikveranstaltungen eigentlich weniger geeignet. Allerdings bot sie Platz für 10.000 Besucher. Also traten dort auch Größen wie die Rolling Stones und die Dire Straits auf. 2011 wurde die Halle endgültig abgerissen.

Eintrittskarte für das Konzert von Marius Müller-Westernhagen am 28.11.1981 in der Berliner Deutschlandhalle

Eintrittskarte für das Konzert von DAF und der Vorgruppe 39 Clocks im Berliner Tempodrom am 5.9.1981

Zunächst einige Infos zur Tempodrom-Spielstätte, welche damals noch aus einem Zelt in unmittelbarer Nähe der Berliner Mauer bestand. 1985 erhielt das Zelt einen neuen Standort nahe der Kongresshalle. Im Dezember 2001 wurde dann der heutige Betonbau in Form eines Zirkuszeltes neben der Ruine des Anhalter-Bahnhofs bezogen.

Am linken Rand der Eintrittskarte vom 5.9.1981 ist noch gerade der Name der Vorgruppe zu erkennen: The 39 Clocks waren eine Underground-Band aus Hannover. Wesentlich bekannter war zu der Zeit natürlich die Zweimann-Gruppe Deutsch Amerikanische Freundschaft, abgekürzt DAF. Wie so viele innovative Bands hatte auch diese ihre Wurzeln in Düsseldorf. Der treibende elektronische Sound ihrer Musik eignete sich ganz hervorragend zum Tanzen.

Eintrittskarte für das Konzert von DAF und der Vorgruppe Die Gesunden im Berliner Metropol am 29.1.1982

Einige Monate später traten DAF erneut in Berlin auf. Der Veranstaltungsort war dieses Mal das Metropol. Als Vorgruppe werden Die Gesunden genannt, eine der ersten Bands der Neuen Deutschen Welle. Das Metropol am Berliner Nollendorfplatz kann auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurückblicken. Der imposante Bau entstand zunächst als Theater in den Jahren 1905/1906. Zwischenzeitlich sorgte der Regisseur Erwin Piscator mit seinem politischen Theater für erhebliches Aufsehen. In den 1980er Jahren erreichte das Metropol einen gewissen Kultstatus als Konzertveranstaltungsort.

Wer kennt Achim Reichel nicht? Schon früh gründete er die Rattles, mit denen er sehr erfolgreich wurde. Später wechselte er seinen Stil, in dem er alte Volks- und Seemannslieder als moderne Rock-Versionen präsentierte. Am 18.1.1982 spielte Reichel mit seiner Band im Berliner Metropol und stellte vermutlich eher Titel seines neuen Albums "Blues In Blond" vor. Die KI weiß über den Abend zu berichten: "Frische Bühnenpräsenz, viel Spaß am Spiel zwischen Rock-Star und Geschichtenerzähler, das Publikum kannte die Lieder auswendig."

Eintrittskarte für das Konzert von Achim Reichel am 18.1.1982 im Berliner Metropol

Eintrittskarte für das Konzert von Nina Hagen am 25.11.1983 im Berliner Metropol

Konzert von Nina Hagen am 25.11.1983 im Berliner Metropol. Handschriftlich hinzugefügt hatte ich als Vorgruppe MDK, was abkürzend für die Berliner Punkband Mekanik Destrüktiw Komandöh steht, die von 1978 bis 1984 existierte. Zu Nina Hagen muss eigentlich nicht viel gesagt werden.

Eintrittskarte für das Konzert von New OrderF und der Vorgruppe Shark Vegas im Berliner Metropol am 8.4.1984

Natürlich waren New Order aus Großbritannien die Hauptattraktion am 8.4.1984 im Metropol. Vervollständigt wurde der Abend durch den Auftritt von Shark Vegas, eine in Berlin beheimatete New-Wave-Band.

Eintrittskarte für das Konzert der Band Die Stricher im Berliner Quartier Latin am 31.8.1984

Die Stricher waren eine Postpunk-Band aus Berlin mit guten deutschen Texten. Zu The VU's und Acertainextent kann ich leider keine Informationen finden. Wie ich meiner handschriftlichen Notiz entnehme, wurde das Konzert vom Naturtheater Hasenheide auf den 31.8.1984 in das Quartier Latin verlegt.

Eintrittskarte für die Verantstaltung 'Autumn Colours' am 7.10.1984 im Berliner Metropol

Über die Veranstaltung "Autumn Colours" im Metropol am 7.10. kann ich im Internet nichts finden. Auch wenn das Jahr nicht genannt ist, kommt eigentlich nur 1984 infrage. Als deutsche Künstler werden explizit genannt: Dunkelziffer aus Köln, André Szigethy aus Bremen und Plan B aus Berlin. Ergänzt wurde das Programm durch die Bands Ensemble Pittoresque aus Holland und Fools Can Dance, welche vom ehemaligen Bassisten von Cure, Simon Gallup, gegründet worden war. Eigentlich hieß die Gruppe Fools Dance. Vermutlich handelt es sich hier um einen Schreibfehler.

Eintrittskarte für das Konzert der Ärzte im Berliner Tempodrom am 3.10.1987

Die West-Berliner Punkband Die Ärzte stand eigentlich Ende 1987 schon vor der baldigen (ersten) Auflösung. Am 3.10.1987 performten sie aber noch mit der britischen Band The Smash und dem US-amerikanischen Sänger Chris Isaak, der sich gerade einen Namen in Europa machte. Fast 6 Jahre später sah ich diesen noch einmal. Ebenfalls im Tempodrom.

Eintrittskarte für das Konzert der Ärzte als Vorgruppe von Chris Isaak im Berliner Tempodrom am 3.10.1988

Natürlich besuchte ich am 3.10.1988 das Tempodrom, um mir vor allem den Hauptact Nick Cave and the Bad Seeds anzusehen und anzuhören. Da war gerade das neue Album "Tender Prey" veröffentlicht worden. Und ein bekannter deutscher Musiker war wichtiger Bestandteil der Band: Blixa Bargeld, Leadsänger der Berliner Gruppe Einstürzende Neubauten. Wie ich meiner handschriftlichen Notiz entnehme, wurde der Abend ergänzt duch Temple of Fortune, ebenfalls aus Berlin.

Romy Haag wurde als Edouard Frans Verba in Scheveningen (Niederlande) geboren und eröffnete 1974, mit erst 26 Jahren, in Berlin-Schöneberg den Nachtclub Chez Romy Haag. Der wurde immer erfolgreicher und zog viele berühmte Gäste an. In den Musiker David Bowie, der nach West-Berlin umgezogen war, verliebte sie sich. Auf dem Ticket werden die Gäste mit dem Gorbatschow-Spruch gewarnt: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!" Das Konzert von Romy Haag fand am 15.9.1990 im Quartier in der Potsdamer Straße 98 statt. Vorher hieß die Veranstaltungsstätte Quartier Latin. Seit dem Herbst 1992 befindet sich dort das Wintergarten Varieté.

Eintrittskarte für das Konzert von Romy Haag im Berliner Quarier am 15.9.1990

Eintrittskarte für das Konzert von Hubert von Goisern am 28.9.1994 im Berliner Tempodrom

Hubert von Goisern und die Alpinkatzen tourten 1994 durch verschiedene deutsche Städte. Am 28. September machten sie im Tempodrom Station. Hubert von Goisern heißt eigentlich Hubert Achleitner und entlieh sich seinen Künstlernamen seinem Geburtsort Bad Goisern in Oberösterreich. Der Liedermacher ist einer der wichtigsten Vertreter der Neuen Volksmusik, einer Mischung aus Volksmusik und Rock, kurz Alpenrock genannt.

Am 10. Juni 1981 durfte ich buchstäblich einen Auftritt Der deutschen Kultgruppe Kraftwerk im Berliner Metropol erleben. Ich erinnere mich an die eigentümliche Atmosphäre des Konzerts. Die Goldenen Zwanziger schienen wieder auferstanden zu sein. Berlin, das halbe Berlin, hatte für einen Abend wieder das Niveau einer Weltstadt, einer Metropole der Kultur und der Wissenschaften. Das lag natürlich nicht allein am 20er-Jahre-Haarschnitt der Bandmitglieder.

Ticket vom Kraftwerk-Konzert im Berliner Metropol am 10. Juni 1981

Eintrittskarte für das Konzert von Rammstein in der Berliner Wuhlheide am 22.8.1998

Das beste Konzert meines Lebens war eindeutig das von Rammstein in der Berliner Wuhlheide am 22.8.1998. Meine Eintrittskarte zeigt vermutlich den Schlagzeuger Christoph Schneider. Der österreichische Künstler Gottfried Helnwein hatte von Rammstein den Auftrag bekommen, das Cover des zweiten Albums "Sehnsucht" zu gestalten. Er schminkte alle sechs Mitglieder der Band und dekorierte die Gesichter mit unterschiedlichen medizinischen Originalinstrumenten.

Lesen Sie auch ★ Kraftwerk: Die Menschmaschinen und ★ Rammstein: Das Konzert vom 22.8.1998

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