[EDV] Datenbanken: Vorbemerkungen

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Vor einiger Zeit fiel mir hier in Berlin das Praxisschild eines Arztes auf. Das Ungewöhnliche war der Vorname des Arztes, nämlich "Winnetou". Ich war etwas erstaunt darüber, daß das in Deutschland möglich ist. Aber das tut hier eigentlich nichts zur Sache. Es ging mir etwas anderes durch den Kopf. Ist das der einzige Winnetou Berlins oder gibt es sogar mehrere?

Wenn einem viel an der Beantwortung dieser Frage läge, könnte man sich das Berliner Telefonbuch vornehmen (wir nehmen mal an, daß alle Winnetous über ein Telefon verfügen) und dann hätte man vermutlich einige Monate eine nette Freizeitbeschäftigung.

Da wir aber im Computerzeitalter leben, gibt es Alternativen. Freundlicherweise stellt uns die Telekom die Einträge als elektronische Daten auf einer CD-ROM zur Verfügung. Da geben wir mal eben "Winnetou" in die Suchmaske ein, drücken auf den Button für die Volltextsuche, holen uns ein Getränk aus dem Kühlschrank und sehen uns danach das Ergebnis an.

Wir stellen noch einmal kurz den Arbeitsaufwand gegenüber:


TelefonbuchCD-ROM
Zeitmehrere Monateallenfalls Minuten
Tätigkeitödes, dennoch hochkonzentriertes SuchenGetränkeversorgung

Die potentielle Fehlerquote ist auch noch zu berücksichtigen. Wenn die Daten richtig eingegeben wurden und das Programm korrekt funktioniert, wird der Computer keinen Fehler machen und alle Winnetous finden. Ohne Ausnahme. Bei einem menschlichen Winnetou-Sucher ist das nicht in jedem Fall gewährleistet. Das Leistungsvermögen der Menschen ist von vielen Faktoren abhängig. Je eintöniger z.B. die Arbeit ist, umso eher treten Ermüdungserscheinungen und Konzentrationsschwächen auf. Der Mensch ist eben keine Maschine.

Wenn wir im vorliegenden Beispiel das Ergebnis in derselben Zeit wie ein Computer erreichen wollten, ginge das nur über die Vervielfachung der Anzahl der an der Suche Beteiligten.

Wir geben mal 2 Werte vor. Erstens sei die Anzahl der Seiten des Telefonbuches 2.000. Zweitens sei die Geschwindigkeit der Computersuche für das ganze Telefonbuch gleich der Geschwindigkeit eines Menschen für eine einzelne Seite. Dann wären also 2.000 Menschen in der Lage gegen einen Computer zu bestehen. Die Fehlerquote lassen wir mal unberücksichtigt.

Nun kann man sich vorstellen, daß die menschliche Suche kaum noch optimiert werden kann. Ganz anders sieht das bei der Computersuche aus.

  1. Die Arbeitsgeschwindigkeit der Computerchips ist in den letzten 10 Jahren raketengleich angestiegen und immer noch nicht am Limit. In der Hardware stecken also zukünftig noch Reserven.
  2. Man kann das Speichermedium auswechseln. Wenn alle Daten von der CD-ROM auf die Festplatte kopiert werden, ergibt das einen deutlichen Geschwindigkeitsvorteil, da Festplatten-Zugriffe wesentlich schneller erfolgen.
  3. Durch eine geschickte Dateiorganisation und intelligente Programmierung der Suchfunktionen sind ebenfalls ungeheure Leistungssteigerungen möglich. Dazu später mehr.

Ohne das im Detail nachzurechnen, kann behauptet werden, daß nach weiteren Optimierungen alle Bewohner Berlins nicht ausreichen würden, auch nur einem einzigen Computer Paroli zu bieten. Und wenn man ganz gemein ist, vernetzt man mehrere Computer und lässt jeden einen Teilbereich der Aufgabe abarbeiten. Noch Fragen?

Ja, eine gäbe es noch: Wieviele Winnetous gibt's denn nun in Berlin? Tja, es sind zwei. Und jetzt die Überraschung! Beide haben den gleichen Nachnamen. Unterschiedlich sind dagegen Beruf, Telefonnummer und Adresse. Während dem Computer das schnurz ist, findet der Mensch das irgendwie merkwürdig, da er etwas kann, wozu der Computer (noch) nicht in der Lage ist. Er kann denken. Warum zum Teufel haben die einzigen Berliner Winnetous einen identischen Nachnamen? Das kann doch einfach kein Zufall sein. Da jeder Mensch über eine eigene Intelligenz verfügt, laß ich Sie an dieser Stelle bei der Suche nach einer Antwort allein.

Auch wenn der Computer ein denkfauler Geselle ist, scheint er doch bei solch einem intelligenten Spiel wie dem Schach den besten Spielern der Welt ebenbürtig zu sein. Freilich hat das nichts mit Denken und Intelligenz zu tun, sondern der Computer profitiert einzig von seinem Wissen und der unglaublichen Arbeitsgeschwindigkeit.

Sein Wissen wird ihm vom Menschen in einer Datenbank mitgegeben. Das Schachprogramm arbeitet alle möglichen Züge ab, berücksichtigt die Gegenzüge und schlägt am Ende den bestmöglichen Zug vor. Nur die besten Schachspieler können da noch mithalten. Die anderen drücken einfach den Stop-Button und treffen den Computer an seiner empfindlichsten Stelle. Er hat dann nicht mehr ausreichend Zeit, sein Wissen komplett abzurufen und gibt den bis dahin gefundenen besten Zug aus. Reingelegt! Irgendwie ist es tröstlich, daß immer noch der Mensch die Regeln bestimmt.

Trotzdem müssen wir anerkennen, daß insbesondere in Datenbanken ungeheure Mengen an Informationen gespeichert und blitzschnell durchsucht werden können. In diesem Sinne sind uns die Computer weit überlegen. Aber das ist kein Nachteil, sondern ein Vorteil. Der Computer ist lediglich Mittel zum Zweck. Wir können ihn benutzen, um schneller ein Ergebnis zu erhalten.

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http://www.kopfsplitter.de © 2002 Jürgen Patalong