Wer kennt ihn nicht ? Geboren 1936 in Hamburg, Umsiedlung 1953 in die DDR, ab 1960 beginnt er zu schreiben und zu komponieren, 1965 Auftritts-, Publikations- und Ausreiseverbot, 1976 Ausbürgerung während einer Tournee durch die Bundesrepublik, 1989 erstes öffentliches Konzert in der gewendeten DDR in Leipzig, lebt in Hamburg.
Leider habe ich keinerlei Hinweis zu einer Homepage von Biermann gefunden, auf die ich hier hätte linken können.
Die hab ich satt! Wolf Biermann 1975 Die kalten Frauen, die mich streicheln die falschen Freunde, die mir schmeicheln Die scharf sind auf die scharfen Sachen Und selber in die Hosen machen In dieser durchgerissnen Stadt - die hab ich satt! Und sagt mir mal: Wozu ist gut Die ganze Bürokratenbrut? Sie wälzt mit Eifer und Geschick Dem Volke über das Genick Der Weltgeschichte großes Rad - die hab ich satt! Was haben wir denn an denen verlorn: An diesen deutschen Professorn Die wirklich manches besser wüßten Wenn sie nicht täglich fressen müßten Beamte! Feige! Fett und platt! - die hab ich satt! Die Lehrer, die Rekrutenschinder Sie brechen schon das Kreuz der Kinder Sie pressen unter allen Fahnen Die idealen Untertanen: Gehorsam - fleißig - geistig matt - die hab ich satt! Der Dichter mit der feuchten Hand Dichten zugrunde das Vaterland Das Ungereimte reimen sie Die Wahrheitssucher leimen sie Dies Pack ist käuflich und aalglatt - die hab ich satt! Der legendäre Kleine Mann Der immer litt und nie gewann Der sich gewöhnt an jeden Dreck Kriegt er nur seinen Schweinespeck Und träumt im Bett vom Attentat - die hab ich satt! Und überhaupt ist ja zum Schrein Der ganze deutsche Skatverein Dies dreigeteilte deutsche Land Und was ich da an Glück auch fand Das steht auf einem andern Blatt - ich hab es satt! |
Sicher hat Wolf Biermann vor allem die DDR vor Augen gehabt, als er den Text zu "Die hab ich satt !" schrieb. Und doch könnte er das Lied auch heute noch im vereinten Deutschland fast tagesaktuell zum Besten geben.
Warum beschäftige ich mich hier mit Biermann ? Es hat mit der verlogenen Auseinandersetzung um die Vergangenheit von Joschka Fischer und Jürgen Trittin zu tun. In der WELT vom 19.1.2001 las ich nämlich einen längeren Biermann-Kommentar dazu, der mich sehr beeindruckte. Einige Zitate daraus: "Die Christdemokraten wollen wieder an die Macht. Die CDU geht in die Offensive. Der Leit-Politiker Merz möchte die geistige Lufthoheit auch unten in der stinkenden Kanalisation erobern. Angela Merkel will dem Regierungschef Schröder mit der Brechstange nach sieben abgefaulten Ministern nun einen gesunden Zahn aus dem imponierenden Siegergebiss brechen." "Fischer hat sich schuldig gemacht hat, wenn er einen uniformierten Vertreter des staatlichen Gewalt-Monopols mit Fäusten niederschlug, statt sich von ihm staatsbürgerlich korrekt niederknüppeln zu lassen." "Wir feiern jedes Jahr ein extrem krummes Holz: Ich meine den Widerstandskämpfer Claus Graf Schenk von Stauffenberg. Wir ehren ihn, obwohl er den völkermörderischen Raubkrieg Hitlers als Generalstabsoffizier und Stabschef einer Panzerdivision der Wehrmacht tatkräftig mitbetrieben hat. Die Massenmorde an den Juden hinter der Ostfront ließen ihn kalt. Erst als der Blitzkrieg in Stalingrad endgültig gescheitert war, erst als Hitlers Kriegsglück sich unaufhaltsam wendete, entschlossen diese Verschwörer sich zum Tyrannenmord. Ich kann den Hitler-Attentäter nicht lieben wie meinen Vater, der als Kommunist gegen die Nazis kämpfte und in Auschwitz ermordet wurde. Aber ich respektiere diesen deutschnationalen Adligen trotz alledem." "Ein Mensch, der als Jüngling schuldig wurde und der dann den Mut hatte, sich zu korrigieren, der als reifer Mann begriffen und öffentlich gemacht hat, daß das Gewaltmonopol des Staates eine fundamentale Errungenschaft der wehrhaften Demokratie ist, dem traue ich mehr als einem wohltemperierten Parteipiesel." Biermann erinnert auch an 1968, die Hetze der BILD-Zeitung, den Mordanschlag auf Rudi Dutschke. Ja, und genau diese Erinnerungen kamen auch bei mir wieder hoch, diese ganze ohnmächtige Wut gegen diese Schreibtischtäter der Schrift und des Wortes. Damals in der Provinz reichte es bei mir nur zu einem stummen Protest in Form eines Ansteckers. "Enteignet Springer" stand darauf. Und dann Anfang der 70er in Berlin. Ein Polizist haute mir mit dem Gummiknüppel eins über den Schädel. Warum ? Ich provozierte, weil ich nicht wie alle anderen davonrennen wollte und wohl von amtswegen auch sollte. Ein friedlicher Protest - mehr nicht. Da denke ich jetzt dran und den Spruch von Joschka Fischer: "Irgendwann wollte ich nicht mehr davonlaufen, ich blieb stehen und schlug zurück." Ich bin ihm heute dankbar für seine Aussage. Irgendwie hat er hat es auch für mich getan. Die hab ich satt ! Auch heute werden wieder in Beweisnot Fotos "bearbeitet": Trittin in Gesellschaft von vermummten Chaoten mit Schlagstöcken und drohend in die Luft gehaltener Rohrzange(!). Dann kleinlauter Rückzieher der BILD-Schreiberlinge: der Knüppel entpuppt sich als Halteseil, das Werkzeug als Handschuh. Sollen wir uns darüber wundern ? Nein, aber empören ! Da geifern sie wieder die Scheinheiligen von FDP und CDU. Kein Problem hatten sie mit dem KZ-Bauer Lübke, den sie zum peinlichsten Bundespräsidenten der Bundesrepublik machten. Kein Problem mit dem Nazi-Juristen Globke, der als Staatssekretär und einflußreicher Berater des Kanzlers Adenauer fungieren durfte. Kein Problem auch mit dem Nazi-Propagandisten Kiesinger, der sogar Bundeskanzler wurde. Auch kein Problem mit dem gnadenlosen Kriegsrichter und "furchtbaren Juristen" (Rolf Hochhuth) Filbinger, den sie zum Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg machten. Noch heute kein Problem mit Fallschirmherunterfaller und Möchtegernkanzler Möllemann, der vor 20 Jahren nicht müde wurde, sich seiner Kontakte zur Terrororganisation PLO zu brüsten. Die hab ich satt ! Man könnte Hunderte Beispiele anführen und es würde doch nichts nützen. Es würde nur die eigene Wut vergrößern. Sie würden trotzdem ihre Mäuler aufreissen, obwohl sie doch allen Grund hätten zu schweigen, diese Schreibtischtäter aus dem Hause Springer, diese Hetzer aus dieser zutiefst unchristlichen Union. Auch Dutschke würden sie heute fertigmachen. Dabei hatte dieser Mann mehr christliches Blut in seinen Adern als jeder dieser selbsternannten Bannerträger einer abendländischen Leitkultur. Wer zweifelt daran, daß diese Pharisäer auch heute noch einen Jesus Christus ans Kreuz nageln würden, weil er die Händler mit Gewalt aus dem Tempel trieb ? Dies ist eben die deutsche Eichmann-Mentalität: Dieses feige Verstecken hinter dem Übervater Staat und dieser Glaube an die Reinheit des eigenen Gewissens, nur weil man die Finger nicht selbst am Abzug hat. Die hab ich satt! Ergänzende Klarstellungen:
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Oja, die Zeiten haben sich geändert. Geldsüchtige und dummköpfige Egoisten aus der Big-Brother-Generation, die sich etwas darauf einbilden, Arschlöcher zu sein oder Shakespeare nicht zu kennen, sind heute angesagt. Sie werden von den privaten Verdummungs-Medien und solchen aalglatten Schleimern wie Westerwelle hofiert. Aber ich habe Hoffnung. Ich glaube, daß das Volk schlauer ist als mancher denkt - oder gar befürchtet.
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Drei Kugeln auf Rudi Dutschke
Drei Kugeln auf Rudi Dutschke
Die Kugel Nummer eins kam
Des zweiten Schusses Schütze
Der Edel-Nazi-Kanzler
Drei Kugeln auf Rudi Dutschke
Es haben die paar Herren
Rudi Dutschke starb 1979 im Alter von 39 Jahren unerwartet an den Spätfolgen des Attentats.
Er ist in Berlin beerdigt.
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Schlaglichter eines Vierteljahres: 1968
11. Februar: 18. Februar: 21. Februar: 22. Februar: 5.März: 10.März: 15.März: 11.April: 12.April: 14.April: 15.April: 17.April: 7.Mai: |
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